Falldarstellung Hildegard Schiffer, geb. 20.9.1915

Meiner Mutter wurde nach einer Erkrankung im Juli 2007 eine Betreuerin für alle Aufgabenbereiche bestellt, und zwar Frau Rechtsanwältin Beate Schneider. Auf Wunsch meiner Schwester sollten Familienangehörige als Betreuer ausscheiden. Die Versorgung meiner Mutter erfolgte in ihrem eigenen Haus, mehr als zweieinhalb Jahre durch dieselbe Pflegerin.

Der "natürliche Wille" meiner Mutter, bis zu ihrem Lebensende in ihrem Eigenheim wohnen zu bleiben, war von der Betreuerin selbst im Jahre 2008 niedergelegt worden. Die Betreuerin schrieb "Für Frau Schiffer ist einzig von Belang, dass sie so lange wie irgend möglich, am besten bis zu ihrem Lebensende in ihrem Eigenheim wohnen bleiben kann. ... Ihrem auf jeden Fall bestehenden 'natürlichen Willen', in ihrem Haus bleiben zu wollen, wird meinerseits auf jeden Fall Rechnung getragen."

Ende August 2010 erfuhr die Betreuerin, dass das WDR-Fernsehen eine Dokumentation über den dubiosen Verkauf des Grundbesitzes meiner Mutter durch die Betreuerin zu drehen beabsichtigte. Im Jahre 2008 hatte die Betreuerin ohne Wissen der Angehörigen den gesamten, nicht selbst bewohnten Grundbesitz meiner Mutter verkauft. Die amtsgerichtliche Genehmigung dazu hatte sie aufgrund irreführender Angaben erschlichen. So hatte sie nur von dem Verkauf "eines Grundstücks" gesprochen und dabei verschwiegen, dass es sich in Wirklichkeit um mehrere Grundstücke handelte. Die Grundstücke gingen ohne Vergleichsangebot nach Vermittlung durch einen mit der Betreuerin "befreundeten Immobilienmakler" an einen Bauunternehmer, der sie seinerseits unterteilte, bebaute und die Immobilien weiterveräußerte.

Die Angst vor Öffentlichkeit hat die Betreuerin den Entschluss fassen lassen, durch eine Heimunterbringung meiner Mutter die eigene "Ruhe" zu sichern und die Angehörigen zum Schweigen zu bringen. Zum Hintergrund ihrer Überlegungen gab die Betreuerin an, das Führen der Betreuung sei für sie kaum möglich, da sich eine in Bonn wohnende Tochter der Betroffenen ständig in alle Angelegenheiten einschalten und jede Entscheidung anfechten würde. Die Führung sei zudem dadurch erschwert, dass die aus Polen stammende Haushaltshilfe der Betroffenen ‚im Lager’ der Tochter stünde.

Die Angehörigen erfuhren von der Heimunterbringung, nicht den Namen des Heims, rein zufällig, und zwar drei Tage vorher.

Am 11.10.2010, dem Tag des geplanten Umzugs meiner Mutter, kündigte die Betreuerin telefonisch an, dass sie, sollte ich den Transport behindern, die Polizei einschalten würde. Sie selbst werde nicht kommen.

Trotz meines Hinweises auf die geltende Verfügung meiner Mutter, in ihrem Haus leben und sterben zu wollen, auf die fehlende rechtliche Grundlage für eine Heimunterbringung und eines Antrages auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung zur Verhinderung eines Umzugs meiner Mutter in ein Heim, gestattete der Vormundschaftsrichter am Amtsgericht Königswinter, Dr. Sonnentag, der Polizei die gewaltsame Entfernung meiner Mutter aus ihrem Haus. Der Richter leistete dem widerrechtlichen Vorgehen der Betreuerin dadurch Vorschub, indem er wissentlich die falsche Auskunft gab, es handle sich um eine dreiwöchige Kurzzeitpflege.

Dies alles wurde dokumentiert und in einer Reportage des WDR-Fernsehens in der Reihe "Servicezeit" am 30.11.2010 unter dem Titel "Betreuungsmissbrauch" gesendet. Am 03.02.2011 strahlte auch das SWR-Fernsehen in der Sendung "Marktcheck" einen Bericht über diese Vorfälle aus.

Selbst mit Hilfe eines Rechtsanwalts und mit unzähligen Petitionen bei den zuständigen Behörden gelang es mir nicht, meine Mutter wieder nach Hause zu holen. Die Gerichte beriefen sich auf eine fehlende Beschwerdebefugnis der Angehörigen. Ein Betreuerwechsel wurde nicht vorgenommen. Die Maßnahme, so hieß es, könne nicht rückgängig gemacht werden, weil sie von Amts wegen nicht angeordnet worden sei.

Eine Dienstaufsichtsbeschwerde wurde mit Hinweis auf die richterliche Unabhängigkeit abgelehnt.

Meine Mutter verstarb im Altenheim, wie von den Ärzten prognostiziert, und zwar vier Monate nach dem erzwungenen Verlassen ihres Hauses.


Hiltrud Boldt-Schiffer


Hiltrud Boldt-Schiffer