Falldarstellung Hildegard Block, geb. 3.1.1926

Frau Hildegard Block geriet vor mehr als einem Jahr in das Seniorenheim Linzer Berg in 53560 Linz am Rhein, zunächst in Kurzzeitpflege, bis ihr Sohn Joachim Block, mit dem sie zusammen lebte, nach einer Operation das Krankenhaus wieder verlassen sollte. Nach seiner Genesung muss Herr Block jedoch feststellen, dass seine Mutter als "vermögende Betreute" auf Betreiben seiner Schwester unter gesetzliche Betreuung gestellt wurde und der Betreuer, ein guter Freund der Schwester, die dauerhafte Unterbringung in besagtem Altenheim angeordnet hatte.

Die Besuche des Herrn Block bei seiner Mutter gestalten sich infolge von Anweisungen des Betreuers an die Heimleitung zunehmend schwieriger. Herrn Block wird unterstellt, die Entführung seiner Mutter zu planen, und so ist es ihm nach einiger Zeit nicht mehr möglich, unter vier Augen mit seiner Mutter zu sprechen. Die Heimleitung, die sich damit einer einzigartigen Beschneidung der Privatsphäre und Missachtung der Rechte von Frau Block schuldig macht, beruft sich auf Vorgaben des Betreuers. Aber auch ohne diese scheint das Leben im Seniorenheim Linzer Berg für pflegeabhängige Bewohner trostlos. An einem der ersten sonnenbestrahlten Frühlingstage sitzt Frau Block alleine in ihrem Zimmer, vor sich ein unbearbeitetes Kinderbuch zum Ausmalen und eine Packung unbenutzter Buntstifte. Erst auf Drängen darf Frau Block von ihren Besuchern in den kleinen Garten gefahren werden, der trotz des schönen Wetters verwaist ist. Die ständige Anwesenheit einer Mitarbeiterin macht ein privates Gespräch mit Frau Block unmöglich.

Gesetzlicher Betreuer der Frau Block ist Herr Walter Rekowski. Herr Rekowski ist Leiter des Amtes für Jugend, Schule und Sport der Stadt Siegburg. Er ist gleichzeitig auch Berufsbetreuer und Bezirksobmann des Landesposaunenrat, Posaunen-Chorleiter und Leiter eines Vokalensembles. Herr Rekowski leidet nach Informationen Dritter seit zwei Jahren unter sogenanntem Burn-Out Syndrom. Möglicherweise ist dies der Grund, dass er seinem Amt als Leiter der Jugendbehörde nicht mehr in Vollzeit nachkommen konnte. Verständlicherweise konnte Herr Rekowski auch seine Aufgaben als gesetzlicher Betreuer nicht im Sinne des Gesetzgebers erfüllen. Frau Block hat ihn jedenfalls höchst selten zu Gesicht bekommen. Es ist nicht bekannt, ob es dem Betreuer inzwischen gelungen ist, Frau Block mit der Anschaffung eines passenden Zahnersatzes von ihrer Scham und Not zu befreien, verursacht durch das Fehlen von Frontzähnen.

Am 10. Juli 2012 veröffentlicht die Stadt Siegburg auf ihrer Website die Nachricht, Bürgermeister Huhn habe schweren Herzens dem Wunsch des bisherigen Leiters der Jugendbehörde entsprochen, diesen aus "gesundheitlichen und persönlichen Gründen...von seinen Aufgaben zu entbinden". Herr Rekowski leitet hinfort die Vergabestelle.

Hintergrund dieser lapidaren Mitteilung ist die Tatsache, dass der Leiter des Amtes für Jugend, Schule und Sport der Stadt Siegburg, Walter Rekowski, jahrelang seinen o.a. Nebentätigkeiten nachgegangen ist, ohne für deren Ausübung die Genehmigung seines Dienstherren zu besitzen. Herr Rekowski hat, ganz im Gegenteil, keine Mühe gescheut, diese genehmigungspflichtigen Nebentätigkeiten vor allen Beteiligten geheim zu halten. Es wäre zu klären, inwieweit die betroffenen Amtsgerichte und Betreuungsbehörden von der kriminellen Energie des Betreuers Kenntnis hatten.

Herr Rekowski hatte neben zahlreichen Telefonanschlüssen und Handynummern mehrere Wohnorte, verteilt auf Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Anrufern gegenüber verwies er nach Bedarf und zur Verschleierung seiner Identität auf einen imaginären Namensvetter. Als Kirchenmusiker bestritt er, der gesetzliche Betreuer gleichen Namens zu sein. Als Betreuer angesprochen, erklärte er sich nicht identisch mit dem Kirchenmusiker oder dem Leiter des Jugendamtes Siegburg.

Die von Herrn Rekowski rekrutierten Betreuten wurden ihm vom Amtsgericht Linz und dem Amtsgericht Neuwied zugeführt. Die Leiterin der Betreuungsbehörde Neuwied, Frau Renate Hemmerich, reagierte mit Empörung auf die Enthüllungen: von einer Verschleierung der Identität des Herrn Rekowski könne keine Rede sein. Der Sohn der Betreuten, Joachim Block, möge von weiteren Schreiben absehen.

Der Fall H. Block zeigt, dass die Lukrativität einer Betreuertätigkeit auch für bereits anderweitig bestallte Amtsinhaber interessant ist, sofern diese über ausreichende Chuzpe und Ruchlosigkeit verfügen und auch eine multiple Persönlichkeitsspaltung anzunehmen bereit sind. Hilfreich ist die Unterstützung anderer Behörden, auch zur Ausschaltung besorgter Angehörigen.